Deutschlands letzter Husar

Hitler gratuliert Mackensen 1939 zum Geburtstag.
Hitler gratuliert Mackensen 1939 zum Geburtstag.

1935 erhielt mit August von Mackensen der letzte Generalfeldmarschall des Ersten Weltkrieges die preußische Staatsdomäne Brüssow von den Nationalsozialisten als Geschenk.

Würde man die Geschichte nicht besser kennen, könnte man meinen, die Nazis wollten zwei Jahre nach ihrer Machtübernahme keinen Angriffskrieg vorbereiten, sondern Schwerter zu Pflugscharen umschmieden. 1935 machten sie aus dem letzten Husaren des Kaiserreiches einen Bauern. Der greise Generalfeldmarschall August von Mackensen, 1849 noch ohne Adelstitel geboren, erhielt aus der Hand des preußischen Ministerpräsidenten Hermann Göring das mehr als 1200 Hektar große Gut Brüssow zum Geschenk. „Die deutsche Scholle“ sollte „wieder zur Heimat des deutschen Bauerngeschlechtes gemacht“ werden, „aus dem der ehrwürdige Feldmarschall erwuchs“, hieß es in der von Adolf Hitler unterzeichneten Schenkungsurkunde.

Nach dem Tode Hindenburgs am 2. August 1934 setzte die NS-Propaganda Mackensen, den man 1933 zum preußischen Staatsrat gemacht hatte, an dessen Stelle und begann einen regelrechten Traditionskult. Er erhielt von der Reichswehrführung anlässlich seines 85. Geburtstages 1934 einen ständigen Adjutanten mit mehreren Hilfskräften, einen Fahrer und einen Dienstwagen. Hitler selbst fuhr in Begleitung, unter anderem von Reichsaußenminister von Neurath, Reichswehrminister von Blomberg und dem Chef der Heeresleitung, Freiherr von Fritsch, nach Falkenwalde, heute Tanovo zwischen Police (Pölitz) und Szczecin (Stettin).

Ein halbes Jahr später gab es nach Vorgesprächen mit Mackensens Sohn Hans-Georg, übrigens ein Schwiegersohn des NS-Außenministers von Neurath, die Zustimmung zur Steuerbefreiung einer großen Schenkung an den alten Feldmarschall. Das preußische Staatsministerium stellte Hitler die preußische Domäne Brüssow zur Verfügung, damit dieser sie als Dotation vergeben konnte. Im Gegensatz zu Hindenburg, der zuvor ebenfalls beschenkt wurde, sollte jedoch nur der Besitzwechsel von Steuern und Abgaben befreit werden. Ab dem 1. Juli 1935 konnte Mackensen über das Gut verfügen, obwohl dessen Bild für die offizielle Übergabe noch aufgehübscht wurde. 350.000 Reichsmark ließ sich die Reichskasse die Umbaumaßnahmen kosten, die aus Brüssow einen „wohlgeordneten Landwirtschaftlichen Großbetrieb des deutschen Ostens“ machen sollten. Nicht nur das alte Gutshaus wurde umgebaut. Es entstand auch ein neues Gebäude für den Administrator. Darüber hinaus wurden die sogenannten alten Arbeiterwohnungen renoviert und zum Teil umgebaut. Zwei neue Arbeiterhäuser, im Stil den alten angepasst, wurden in Fachwerkbauweise errichtet. Immerhin wurden auf dem Gut rund 80 Landarbeiterfamilien beschäftigt und alle sollten von der Gunst des Führers eingenommen werden. Der rüstige Haudegen selbst, 1936 zum Chef des Kavallerieregiments Nr. 5 in Stolp (Słupsk) ernannt, der immer in der schwarzen Uniform des 1. Leibhusarenregiments mit dem silbernen Totenkopf an der Mütze umherlief, war mehr als zufrieden mit dem Geschenk. „Der Boden verspricht viel, er trägt auch Rüben und Weizen. Eine Brennerei und eine Kartoffeltrockenanlage ist vorhanden, auch ein fischreicher See von mehr als 300 Morgen und Wald von etwa 150 Morgen.“ Dazu war Brüssow auch noch schuldenfrei.

Gegen Demokraten helfen nur Soldaten

Obwohl erzkonservativ und ein Militarist vom Scheitel bis zur Sohle ­– „Gegen Demokraten helfen nur Soldaten“ –, folgte Mackensen seinen Gönnern nicht völlig blind. Zwar ließ er sich für die fürstlichen Geschenke vor deren Karren spannen, marschierte bei etlichen Gelegenheiten auf und riet Hitler bei dessen überraschendem Geburtstagsbesuch in Brüssow 1939 zum Krieg mit dem Westen, aber er wandte sich nach dem Überfall Hitlerdeutschlands auf Polen und dem schnellen Sieg über deren Armee im Februar 1940 auch in einem Brief an den Oberbefehlsheber des Heeres, Generaloberst von Brauchitsch, um gegen die dort von deutschen Soldaten verübten Morde zu protestieren. Er, der im Ersten Weltkrieg auf Grund seiner brutalen Kampfführung selbst den Namen eines „Schlächters von Serbien“ erhalten hatte, konnte die neue Qualität der Menschenverachtung nicht verstehen. 1916 hatte er in einem Belgrader Park als Zeichen seiner „Ehrerbietung vor den gefallenden serbischen Helden“ – so die Inschrift – ein heute noch stehendes Denkmal für seine Gegner errichten lassen. Fest im protestantischen Glauben verwurzelt und eigentlich der untergegangenen Allianz von Thron und Altar verbunden, setzte er sich für einige von den Nationalsozialisten verfolgte Mitglieder der Bekennenden Kirche ein, so für Pastor Martin Niemöller oder die zwei Söhne von Pfarrern der Bekennenden Kirche, die 1942 in Stettin mit ihrer gesamten Abiturklasse verhaftet worden waren und in Haft blieben, als ihre Mitschüler entlassen wurden. Frei kamen sie allerdings nur durch eine freiwillige Meldung zur Front. Gewichtiger war sein Einspruch, als seine Tochter Ruth, die als Gemeindeschwester arbeitete und der Bekennenden Kirche nahestand, von der Gestapo verhört wurde. Sie kam ohne Auflagen frei. Keinerlei Behelligung erfuhr seine zweite Ehefrau Leonie von Mackensen, die 1942 den vom britischen Geheimdienst fabrizierten „Möldersbrief“ verteilte, in dem behauptet wurde, der populäre Jagdflieger sei wegen seines Bekenntnisses zum katholischen Glauben einem Attentat Himmlers und keinem Unfall zum Opfer gefallen. Brüssows Pfarrer Albrecht Schönherr, der spätere Bischof, wurde wegen dieses Briefes angezeigt, aber in Ruhe gelassen, nachdem er seine prominente Quelle offenbart hatte. Diese Beispiele, die bis zum Rettungsversuch für den in die Ereignisse des 20. Juli 1944 verstrickten Sohn des Gutsnachbarn, Barnim von Ramin, reichten – den Anschlag verurteilte Mackensen als „fluchwürdiges Attentat“ –, ließen sich fortsetzen. Sie sind aber auch Ausdruck für die innere Zerrissenheit des greisen Kriegers, der bis zum Schluss von Hitlers Wohlwollen profitierte und bis zum bitteren Ende als Beispiel für Soldatengeist und Heldenmut galt. Noch 1944 richtete er 95-jährig einen Aufruf zu „Opferbereitschaft und Fanatismus“ an die deutsche Jugend. Als die Rote Armee sich Brüssow näherte, floh August von Mackensen in ein für ihn vorbereitetes Gutshaus in Burghorn in Niedersachsen, heute Habighorst. Ins nahegelegene Celle war bereits sein Geld transferiert worden, das die Sieger zwar beschlagnahmten, dafür aber ließen sie ihn auf dem Gut, trotz eines Rückgabeanspruches des rechtmäßigen Besitzers, der in einem Nebenhaus kampieren musste, wohnen. Am 8. November 1945 verstarb er 96-jährig. Wenige Wochen später verschied Anfang Dezember seine Tochter Ruth. 1963 folgte ihm seine zweite Frau, die halb so alte Leonie, geborene von der Osten, 85-jährig ins Grab.

In Brüssow, wo Mackensen in manchem Haus noch heute gern als liebevoll sich um das Allgemeinwohl sorgender patriarchalischer Gutsherr gesehen wird, der sich um den Park zwischen dem Kleinen und Großen Brüssowsee sowie die Kirche kümmerte, für die er unter anderem die Rückkehr des wertvollen Rosenbergaltars aus fast 100-jährigem Prenzlauer Museumsasyl bewerkstelligte, und deren weitere Ausgestaltung er veranlasste, zum Beispiel mit einer 1942 eingeweihten Schuke-Orgel, finden sich seit Kriegsende keine sichtbaren Verehrungsspuren. Erst 1997 wurde auch die nach ihm benannte Straße in Berlin umbenannt, die heute den Namen der jüdischen Schriftstellerin Else Lasker-Schüler trägt. Und zwei Jahre später entzog man der Hildesheimer Mackensen-Kaserne der Bundeswehr ihren Traditionsnamen. Der „letzte Husar“, wie August von Mackensen auch immer wieder bezeichnet wird, war im vereinten Deutschland nicht mehr tragbar und wurde zu den Akten der Geschichte gelegt, wo auch seine Bekanntschaft mit dem 1945 hingerichteten ehemaligen Leipziger Oberbürgermeister und Widerständler Carl Friedrich Goerdeler liegt, der sich im Dezember 1939 in das Brüsssower Gästebuch Mackensens eintrug.

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Antiterrortraining in den Schwarzen Bergen

Crusty ist gelandet - Stasi-Übungsobjekt steht im Garten des "Deutschen hauses" in Grünz

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Ein Traum wird wahr

Vor 15 Jahren solte dieses Uckermarkbuch - sicher hätte es einen anderen Titel gehabt - mein erstes Buch werden. Doch das Leben wollte es anders. Ich bin froh, dass es so gekommen ist, denn jetzt, mit den Erfahrungen von einem Dutzend anderer Bücher, kann es nur mein bestes Buch werden.
Angeregt, mich mit der uckermärkischen Geschichte zu beschäftigen, wurde ich vor 40 Jahren in der Dorfkneipe von Stegelitz von einem Bauern, der meinte, dass dieses Dorf keine Geschichte habe. Er reizte mich zum Widerspruch und als junger FDJ-Sekretär wollte ich ihm das Gegenteil beweisen.
Ich bin Franz Tetmeyer, so hieß er, undendlich dankbar. Er hat mir mit seinem Streit, mit dem er mich damals provozieren wollte, nicht nur ein erfüllendes Hobby geschenkt, sondern auch die Grundlage für meinen heutigen Beruf als freier Journalist und Autor geschaffen.

In mein Uckermarkbuch findet nicht zuletzt wegen des Streits in der Dorfkneipe auch die eine oder andere Stegelitz-Geschichte ihren Eingang. In einer spielen auch Angehörige der Familie Spann, die in einem der ältesten Häuser des Dorfes wohnt, eine Rolle während der Zeit der Besetzung der Uckermark während der Franzosenzeit 1806 - 1815.

Ihr Haus hat mir schon als Kind gefallen, wenn ich bei meiner Oma die großen Ferien verbrachte und ihr für fünf Mark half, auf einem kleinen Acker hinter der großen Scheune runter zum Mühlenbach, die Ernte einzubringen. Um ehrlich zu sein, eigentlich waren es sogar 10 Mark, denn mein Onkel Herbert steckte mir auch fünf Mark zu, flüsterte aber, ich solle Oma nichts davon sagen.

Ich weiß nicht, ob meine Kindheits- und Jugenderinnerungen auch Eingang in das Buch finden sollten. Sie wären ein Zeitzeugnis vor allem der 1970er Jahre.

Was meint Ihr?

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Mitgift-Seite auf Facebook

Nachdem das Buchprojekt "An Mitgift ist noch keiner gestorben" bereits einen eigenen Menüpunkt im Blog von Meckpress hatte, bekam es gestern auch noch eine eigene Facebook-Seite. https://www.facebook.com/pages/An-Mitgift-ist-noch-keiner-gestorben/663729707092828 Die ersten 20 Likes hat sie bereits eingesammelt. Ich würde mich aber freuen, wenn es schnell noch mehr werden. Der Uckermark(ver)führer braucht viele Freunde.

Über diese Facebookseite bzw. über den Blog möchte ich über die Arbeit an meinem ersten Uckermarkbuch informieren und künftige Leser (und Käufer) auf dem Laufenden halten. Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude. Steigern wir also die Vorfreude durch regelmäßige Berichte!

 

Gestern erreichte mich auch eine Nachrichricht vom Verein Landlabor, der eine multimediale Karte der Uckermark auf den Weg bringt Der Verein steht vor dem Start einer für ihn wichtigen Finanzierungskampagne. Damit die aber losgehen kann, braucht er Projekt-Fans.  Fan zu werden ist mit keinerlei Kosten verbunden. Also meine Bitte, unterstützt das Projekt. Werdet Fan des Projekts. Unter dem Link https://www.startnext.com/uckermarker?likeck=1 gibt es alle Informationen.

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Die Jagd auf die Mitgift ist eröffnet

Mitgift-Plauderei in Annenwalde
Mitgift-Plauderei in Annenwalde

Am Sonntag wurde die Jagd auf die Mitgift eröffnet. Die Geschichte vom Pinnwandpionier, dem Erfinder der Reißzwecke, dem Uhrmacher Joahnn Kersten aus Lychen, war die erste, die eine Patin gefunden hat.

Die Inhaberin der Praxis für Naturheilkunde und Lebens-Energie-Theraphie, Gudrun F. Ch. Erdmann, aus Lychen, möchte diese Geschichte präsentieren und fördert deshalb das Buchprojekt mit 100 Euro.

Weitere Gäste der Plauderei in der Glashütte von Werner und Christa Kothe in Annenwalde haben hre Unterstützung angekündigt (und fleißig meine anderen Bücher gekauft).


Zu den Gästen der Lesung gehörten auch Templins Bürgermeister Detlef Tabbert und Siegmund Bäsler, Präsident der Unternehmervereinigung Uckermark, die sich persönlich engagieren wollen bzw. Werbung für das Buchprojekt machen wollen, sozusagen Multiplikatoren des Crowdfunding werden.  Allen Gästen am Sonntag in Annenwalde ein großes Dankeschön und natürlich auch den Gastgebern, der Familie Kothe.

Zu den Möglichkeiten für andere Interessenten, sich einen Teil der Mitgift zu sichern, d. h. Aufnahme im Buch zu finden, gibt es in Kürze einen weiteren Blogeintrag.

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Mitgift-Grüsse aus der bemerkenswerten Uckermark

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Mitgift setzt (Lese)Zeichen

Der Weg ist diesmal wirklich ein anderer. Diesmal geht nicht das fertige Manuskript in den Verlag, um als gedrucktes Buch dann ein paar Wochen später im Handel zu landen. Diesmal gab es zuerst einzelne Geschichten, noch sind nicht alle fertig, bedürfen alle zusammen auch noch den letzten Schliff, um ein Guss zu werden.

Dann setzte sich eine Grafikerin aus Münster daran, die Titelseite zu gestalten. Jetzt ist ein Auftrag für Lesezeichen in die Druckerei gegangen. Sie sollen später nicht nur den Lesern helfen, sich u erinnern auf welcher Seite sie eine Lesepause gemacht haben, sie sollen mir auch helfen, künftige Käufer und damit Leser des Buches zu finden. Während auf der Vorderseite, die Titelseite abgebildet ist und es einen kleinen Werbetext, vor allem für die vielen Berliner gibt, die in der Uckermark ein Urlaubs- und Freizeitzuhause haben, kann man auf der Rückseite Bekanntschaft mit dem Inhalt machen, zumindest mit den meisten Kapitelüberschriften.

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Vom letzten Ritter der Uckermark

Vom letzten Ritter der Uckermark, großen Verschwendern von Millionenvermögen, einem kinderreichen Kinderreich oder dem Glasmacher des Alten Fritz, dem letzten Husaren Deutschlands, einem Engel der Gnade, der Mutter des Königin-Luise-Kults oder Friedrich Schillers Arnim erzählt mein neues Buch "An Mitgift ist noch keiner gestorben - Geschichten mit Geschichte aus der Uckermark".

Am Sonntag, dem 26. April, gibt es um 15 Uhr bei Kaffee und Kuchen in der Glashütte Annenwalde eine unterhaltsame Plauderei zu dem "Geschichtsbuch",das rechzeitig vor Weihnachten in den Buchhandel kommen soll und ein  paar Dutzend Kapitel spannenden Lesestoff bietet.
Rechtzeitiges Erscheinen sichert die besten Plätze.

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