Mutter des Königin-Luise-Kultes war Uckermärkerin

Caroline von Berg auf Schönfeld, Kleptow, Werbelow ud Klein Spiegelberg

Zu den Vertrauten am Todeslager der Königin Luise 1810 in Hohenzieritz gehörte auch Karoline von Berg (rechts).
Zu den Vertrauten am Todeslager der Königin Luise 1810 in Hohenzieritz gehörte auch Karoline von Berg (rechts).

 

Schönfeld. Mit einem Vortrag über das Herzoghaus Mecklenburg-Strelitz und sein Wirken im Zarenreich wird am Sonnabend, dem 22. März, die neue Saison in der Luisengedenkstätte Hohenzieritz eröffnet. Seit über 200 Jahren gedenkt man auf dem Dorf zwischen Neubrandenburg und Neustrelitz der dort verstorbenen preußischen Königin Luise. Als sie in der Sommerresidenz ihres Vaters 1810 die Augen schloss, stand an ihrem Todeslager auch Caroline Friederike von Berg. Sie hatte die Königin über Jahre mit guter Literatur versorgt, mit ihr diskutiert und versucht über sie Einfluss auf die preußische Politik zu nehmen. Dieser besten Freundin hatte Luise als einzigem Menschen ihre Liebe zu Zar Alexander gestanden. Zum 4. Todestag der Königin veröffentlichte Caroline Friederike von Berg bei Breitkopf und Härtel in Leipzig die 400-seitige Denkschrift „Louise Königin von Preußen. Der preußischen Nation gewidmet.“. Es war die erste Luise-Biografie.

Mit ihrer Denkschrift, die auch nicht den kleinsten Schatten auf die Monarchin mit Mecklenburg-Strelitzer Wurzeln fallen ließ, legte Caroline den Grundstein für den bis heute anhaltenden Luisenkult. Sie brachte in Bezug auf verstorbene Königin das Wort „Engel“ ins Spiel und machte aus der unvollkommenen jungen Frau eine Ikone.

Als 19-Jährige hatte die Enkelin des preußischen Staats-, Kriegs- und Kabinettsministers Heinrich Graf von Podewils, deren anderer Großvater als steinreicher Magdeburger Kaufmann geadelt wurde, 1779 dem Karl Ludwig von Berg, sechs Jahre älter und Mitglied des Halberstädter Domkapitels, das Ja-Wort zu geben. Das junge Paar, dem 1800 im uckermärkischen Schönfeld eine Tochter geboren wurde, lebte abwechselnd im Berg’schen Domherrenhaus in Halberstadt, einem repräsentativen Anwesen mit dem Blick auf den Dom, bzw. in Schönfeld bei Prenzlau. Beide Häuser haben die Zeit nicht überdauert.

In Halberstadt waren die Bergs Nachbarn des Dichters Johann Wilhelm Ludwig Gleim, der 1747 auf Vermittlung von Carolines Schwiegervater zum Domsekretär gewählt worden war. Christian von Berg war Königlich-Preußischer Geheimer Justizrat, Landvogt der Uckermark, Senior des Domstifts zu Halberstadt, Erbherr auf Schönfeld, Kleptow und Werbelow in der Uckermark sowie seit 1765 Erbpachtherr auf Krumbeck. Bis 1811 lag dieses preußische Gut als Exklave auf Mecklenburg-Strelitzer Grund und Boden.

1784 nahm Karl Ludwig von Berg das bis dahin verpachtete Krumbeck selbst in Bewirtschaftung. Er wollte sich und seiner kleinen Familie ein eigenes Heim schaffen, unabhängig vom tonangebenden Vater. Gleich im ersten Jahr stellte er die Feldwirtschaft um. Darüber hinaus vergrößerte er die Schafzucht. Er investierte in größere Wirtschafsgebäude und legte den Plan zum Bau eines massiven Gutshauses vor. Bald darauf ließ Karl Ludwig von Berg das Haus auch bauen. Es war ein eingeschossiger Putzbau mit Mansardendach, an dessen rechter Seite sich im Winkel von 90 Grad ein zwischen 2009 und 2012 restauriertes Küchen- und Wirtschaftsgebäude anschloss. Für Krumbeck ließ der Bauherr bis dahin hierzulande unbekannte amerikanische Nadelhölzer aus Samen ziehen lassen. 1792 legte er am neuen Wohnort auch noch eine Glashütte an.


Keine Frau fürs Landleben

„Das gute niedliche Weibchen, das in der großen berlinischen Welt erzogen ist“, wie der Dichter Gleim 1781 an seinen Freund Friedrich Jacobi schrieb, war aber keineswegs das scheue Reh, das sich in der Provinz verstecken lassen wollte. Caroline von Berg war eine lesewütige, bildungshungrige und selbstbewusste junge Frau. Ihre Mutter – geschieden – spielte als Tochter des Ministers Podewils in Berlin eine bedeutende gesellschaftliche Rolle. Ihr Vater Johann August von Haeseler war königlicher Gesandter in Kopenhagen. Caroline war sich ihrer herausragenden Herkunft bewusst und legte Wert auf ihren Mädchennamen. Ihre Briefe unterschrieb sie mit Berg-Haeseler.

Caroline war kein Kind von Traurigkeit. In der höfischen Berliner Welt, in der sie groß wurde, waren Liebesaffären an der Tagesordnung. Carolines dürfte auch welche gehabt haben. Ihr vertrauer Freund, der Freiherr vom und zum Stein, den sie 1785 kennen lernte, als sie ihn an der Seite ihres Mannes in Nassau besuchte, deutet in seinen Papieren schamhaft Liebschaften an. Feindselig gegenüber Caroline eingestellt, streute der reformierte Pfarrer und Schriftsteller Johann Caspar Lavater mehr oder weniger deutlich Gerüchte über ihre Tugendhaftigkeit. Die griff wiederum ihr väterlicher Freund Gleim Ende Dezember 1795 in einem Brief an Carolines Mann auf. In dem beschwor er den Gatten, nichts auf die Gerüchte zu geben. Und erreichte damit das Gegenteil.

 

Häufig bei den Kindern

Die Bergs blieben zwar bis nach der Hochzeit ihrer Tochter Luise verheiratet – die 19-Jährige heiratete 1800 den 20-jährigen Enkel von Luises Oberhofmeisterin, der Gräfin von Voß – doch nach der Eheschließung war der Zeitpunkt gekommen, aus der bereits vor Jahren vollzogenen Trennung von Tisch und Bett nun auch eine auf dem Papier folgen zu lassen. Caroline und Karl Ludwig von Berg wurden 1801 geschieden. Spätestens mit der Hochzeit ihrer Tochter verkehrte Caroline von Berg regelmäßig in Groß Gievitz. Wochenlang dauerten die Besuche bei den Kindern. 1803 verschob sie sogar eine geplante Italienreise, um sich in Groß Gievitz zu kümmern. Die Tochter war schwanger, und der Schwiegersohn hatte einen Reitunfall. Caroline, die sich mit der Tochter wie mit einer vertrauten Freundin verstand, lud auch ihre Gäste nach Groß Giewvitz ein. Bekannt ist Marie von Kleist, Hofdame und Freundin von Königin Luise, eine 16 Jahre ältere entfernte Cousine, vertraute Freundin und unerfüllte Liebe des Dichters Heinrich von Kleist, der sich 1811 erschoss. Aber auch der Karl Gustav Brinckmann, schwedischer Diplomat und deutscher Dichter, verbringt 1805 einige Monate seines Urlaubs in Groß Gievitz. Er lobt das pädagogische Talent, dass die alte Gräfin von Voß bei der Erziehung von Carolines Enkeln, ihrer Urenkel, an den Tag legt und versichert, Caroline, dass die alte Oberhofmeisterin ihr äußert ergeben sei. Außerdem schildert der schwedische Gesandte in Berlin die Situation im Herbst 1805 auf dem Gut, als man in Preußen dachte, der König würd Napoleon den Krieg erklären. „Kurz alles was Preußischen Atem in sich hat, sei es Mensch oder Vieh, wird von dem Grafen bewirtet.“ Von morgens bis abends werde geschlachtet, nur die Schimmel und die Reitpferde seien noch am Leben. „Seit es gegen die Franzosen geht, ist dem Grafen nicht zu theuer, u. ich danke Gott, wenn wir im Thiergarten nur noch das schöne weisse Reh retten können, als ein Andenken an die vertilgte Generazion.“

Nach der Scheidung war Caroline nicht allein dank ihres Magdeburger Großvaters [von] Haeseler vermögend, sondern auch unabhängig und musste keine Rücksicht mehr auf ihren Gemahl und seine gesellschaftliche Stellung nehmen, der als Königlicher Kammerherr in Berlin hinter dem Neuen Packhof 5, der heutigen Museumsinsel, ein hauptstädtisches Domizil unterhielt. 1809 wirkte sie im Salon ihrer Tochter, der Luise Gräfin von Voß, Unter den Linden 2 an der Vorbereitung des Aufstands von Ferdinand von Schill mit, dessen Aktion sie mit viel Geld unterstütze. 80.000 Taler hat sie bei dem gescheiterten Abenteuer verloren.

1815 wurde Caroline von Berg, wohl aus Freundschaft gegenüber ihrer Freundin, der fünf Jahre zuvor verstorbenen Königin, Oberhofmeisterin bei Luises Schwester Friederike. Die hatte in der Neustrelitzer Stadtkirche den Herzog von Cumberland geheiratet, einem Sohn des englischen Königs Georg und seiner aus Mirow stammenden Frau Charlotte.

Nachdem sie 1826 bei einem Kuraufenthalt im nordböhmischen Teplitz starb, ließ der Schwiegersohn auf dem Groß Gievitzer Friedhof eine Grabkapelle nach Entwürfen von Karl Friedrich Schinkel für sie errichten.

Caroline Friederike von Berg war die beste Freundin von Königin Luise und mit einem Uckermärker verheiratet.
Caroline Friederike von Berg war die beste Freundin von Königin Luise und mit einem Uckermärker verheiratet.
Karl Ludwig von Berg war Herr auf Schönfeld, Kleptow und Klein Spiegelberg.
Karl Ludwig von Berg war Herr auf Schönfeld, Kleptow und Klein Spiegelberg.

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