Kommandeur der C-Husaren sucht Glück in der Uckermark

Vom Warburg-House in die Semper-Villa

Schloss Hohen Landion Duncker-Stich
Das als Warburg-House bezeichnete Schloss von Hohenlandin entstand 1860/61.
Ruine Schloss Hohen Landin
Seit 1977 leer stehend verfällt das Schloss zusehends.

Mark Landin. Ende Juni 1813 als Kommandeur der Mecklenburg-Strelitzer C-Husaren gegen Napoleon ins Feld gezogen, stand der 1793 als preußischer Leutnant mit dem Pour le Merite ausgezeichnete und  inzwischen zum Oberst beförderte, im August 1813 mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse und im Dezember 1813 mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse sowie dem russischen Orden des heiligen Georg ausgezeichnete Friedrich Wilhelm von Warburg an der Spitze der zweiten Brigade des ersten preußischen Armeekorps. In der Völkerschlacht von Leipzig hatte der 1765 im Amt Bergfeld geborene Sohn des Landrosten Ernst Wilhelm von Warburg das Kommando über die eigentlich von Herzog Karl zu Mecklenburg geführte Brigade des Schlesischen Armee übernehmen müssen, nachdem der Sohn des Mecklenburg-Strelitzer Landesherrn bei der Einnahme von Möckern am 16. Oktober schwer verwundet worden war. Von Warburg führte die 5000 Mann starke Truppe, zu der auch seine C-Husaren gehörten, bis zur Einnahme von Paris Ende März 1814. Nach der Überquerung des Rheins am 2. Januar 1814 zog sie Richtung Metz. Sie nahm an den Schlachten von Montmrail und Château-Thierry teil und war am 9. März an der Schlacht bei Laon beteiligt.

Nach der Besetzung der französischen Hauptstadt blieb der Brigadekommandeur auf Zeit im Hauptquartier des 1. Armeekorps, während das Gros des C-Husarenregiments Quartier bei Calais bezog. Eine Abteilung Jäger und 42 Husaren kehrten am 18. Juli 1814 nach Neustrelitz zurück. Der Rest folgte erst am 25. März 1815, wo den Männern noch nicht einmal drei Monate Ruhe vergönnt waren. Mitte Juni mussten sie erneut gegen Napoleon ziehen. Sie trafen aber erst nach der entscheidenden Schlacht bei Waterloo im Feld ein. An der Eroberung einiger Festungen beteiligt, begab sich das Regiment nach dem Abschluss des Zweiten Pariser Friedens im November 1815 auf den Rückmarsch. Zwei Tage vor Heiligabend kam es wieder in Neustrelitz an, wo es Ende März 1816 endgültig aufgelöst wurde. 

Als „Sr. Majestät von Preußen wohlbestallter Oberst und Chef des Mecklenburg-Strelitzer Husarenregiments“, der Friedrich Wilhelm von Warburg bis zur Auflösung seines Regiments war, fand der inzwischen 52-jährige Militär endlich Zeit für die Familienplanung. Heiligabend 1817 heiratete er die wesentlich jüngere Gräfin Auguste von Blankensee-Filehne, deren Vater erst im April verstorben war. Unmittelbar nach der Hochzeit erwarb der Bräutigam für 108.000 Taler Hohenlandin. Das hatte sein  zwei Jahre älterer Bruder Adolph Friedrich von Warburg als preußischer Rittmeister genau 20 Jahre zuvor für 80.000 Taler anlässlich seiner Hochzeit erworben.

In schneller Folge stellten sich bei der jungen Familie von Warburg die Kinder ein. 1818 wurde Tochter Luise Auguste geboren. 1820 folgte mit Wilhelm Georg der Stammhalter. 1822 kam Auguste Therese zu Welt und 1823 Moritz Albert von Warburg. Mit ebenso großem Eifer der Familienplanung nahm sich das Paar der Gestaltung ihres Wohnumfeldes an. Man baute das Gut aus, errichtete zum Beispiel einen großen Speicher und ließ sich 1822 von Peter Joseph Lenné, zu dieser Zeit ein aufsteigender Stern am preußischen Hof, einen Park anlegen. Auch wenn der in seiner ursprünglichen Ablage nicht mehr erlebbar ist, da das Grabensystem zu den Wasserflächen weitgehend zerstört ist, laden die alten Eichen am südlichen Parkrand, Baumsolitäre oder Sichtbezüge noch zum Entdecken ein.

Doch langes Glück war dem Paar nicht gewährt. Drei der vier Kinder starben früh. Nur Georg Wilhelm blieb am Leben. Gedrückt durch die Schicksaalschläge ersuchte Friedrich Wilhelm von Warburg Ende 1825 um seinen Abschied, dabei war er erst am 31. Mai zum Generalmajor der Kavallerie und Brigadekommandeur ernannt worden. Zehn Jahre später segnete der einstige Mecklenburg-Strelitzer C-Husarenkommandeur in der Uckermark das Zeitliche. So musste er nicht mehr erleben, wie die 1845 geschlossene Ehe seines Sohnes mit Wilhelmine von Wedel nach acht Jahren scheiterte. Drei Jahre später heiratete er Elisabeth von Bonin, Tochter des zweifachen preußischen Kriegsministers Eduard von Bonin.

Von seiner Mutter ein Jahr nach der zweiten Eheschließung zum Miteigentümer gemacht, ließ Freiherr Georg Wilhelm von Warburg zwischen 1856 und 1859 zahlreiche Wirtschaftsgebäude auf dem Gute errichten, darunter eine Dampfbrennerei und eine Dampfmühle.

Nach dem Tod der Mutter 1859 folgte der Neubau des Schlosses im Tudor-Stil als „Warburg House“ durch den Wriezener Architekten Ferdinand Neubart.

Malerisch gruppiert erhebt sich die asymmetrische Anlage mit einem kleineren niedrigeren und einem höheren Turm über einem hohen Kellergeschoss. Das dreigeschossige Mitteilteil fällt durch seinen auf vier Drachenkonsolen ruhenden Balkon auf, den zwei preußische Adler mit ausgebreiteten Schwingen zieren. An der Parkseite des südöstlichen Seitenteils befand sich der Saal, eine kleine Terrasse und eine Freizeittreppe.

Eine technische Meisterleistung stellte die Wasserleitung zur Versorgung des Schlosses dar, die noch immer existiert: Mittels einer Pumpe wurde das Wasser aus dem Teich in einer noch vorhandenen Eisenwanne auf dem Dachboden der Brennerei gesammelt. Von dort wurde es über ein Rohrsystem zu den einzelnen Gebäuden und dem Schloss verteilt. Die Reste der Brennerei-Verarbeitung – es wurde Spiritus hergestellt – gelangten ebenfalls über ein Rohrsystem direkt in die angrenzenden Ställe und dienten als Futter.

Georg Wilhelm von Warburg hatte aus Hohenlandin ein Mustergut gemacht. Der schriftstellernde Gutsherr reiste durch Russland, Mittel- und Südamerika, durch Afrika und Asien. Letzteres dürfte die Drachenkonsolen an seinem Schloss erklären, das er 1866 an den Berliner Ziegeleibesitzer Ferdinand Müller, der bereits zwei weitere Rittergüter besaß. Die Gründe für den Verkauf von Hohenlandin und den Kauf der von Gottfried Semper für den Bankier Martin Wilhelm Oppenheim erbauten Villa Rosa in Dresden  von den Erben des Bankiers Martin Wilhelm Oppenheim die von Gottfried Semper erbaute Villa Rosa in Dresden liegen im Dunkeln. Nach seinem Tod verkaufen die Erben die zum Kriegsende 1945 zerstörte Villa. Und wieder folgte ein Müller im Besitz. Mit Clemens Müller war es der Begründer der Nähmaschinenproduktion in Deutschland, seit 1894 Inhaber des Markennamens „Veritas“ für Nähmaschinen.

Schloss Hohenlandin, das den Krieg unbeschadet überstanden hat, wurde in der DDR-Zeit als Schule und Kindergarten genutzt. Nachdem er Schulbetrieb 1977 aufgrund baulicher Mängel eingestellt werden musste, verfällt die Anlage zusehend.

Übrigens schlug in Landin die „Geburtsstunde der Uckermark“. Mit einem 1250 geschlossenen Vertag übernahmen die Markgrafen Johann I. und Otto III. von Brandenburg im Tausch gegen das halbe Land Wolgast das Uckerland, richtiger gesagt, dessen nördlichen Teil,  von Herzog Barnim III. von Pommern. Den südlichen Teil hatten die Markgrafen bereits 1230 käuflich erworben.

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